Pressespiegel

Lernsommer in der Berufsschule, Nordfriesland Tageblatt, 11.08.2020

Volkshochschule bietet Deutschkurse für Flüchtlinge und Migranten an – diese wurden wegen Corona kaum noch gefördert

Arndt Prenzel NIEBÜLL Gerd Heide, Leiter der Volkshochschule Niebüll, freut sich, dass der Lernsommer in der beruflichen Schule mit den Deutschkursen so gut angenommen wurde. Und auch Finn Brandt, Leiter der beruflichen Schule im Schulzentrum, ist zufrieden. „Wir haben gemäß der Ansage der Ministerin Karin Prien geprüft, welche Gruppe in den Sommerferien besondere Unterstützung braucht.“ Ihm ist aufgefallen, dass in Coronazeiten Handlungsbedarf für Flüchtlinge und Migranten angesagt wäre. „Diese wurden zu wenig gefördert!“ Gleichzeitig hat er nach dem passenden Partner gesucht.

Mit Gerd Heide und der VHS hat er den passenden Akteur vor Ort im Haus. „Die Sprachkurse für Migranten fallen in unsere Kernkompetenz“, erklärt Heide. Studiendirektor Thomas Friedenberg ist als Abteilungsleiter Berufsvorbereitung mit den so genannten BIK-DaZ Klassen betraut. „Die Berufsintegrationsklasse Deutsch als Zweitsprache (BiK-DaZ) hat gemäß Schulgesetz die Aufgabe, den Erwerb der deutschen Sprache bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu fördern.“ Seit 2019 unterstützt die Volkshochschule Niebüll den Unterricht mit 15 durch den Kreis Nordfriesland geförderten Unterrichtsstunden pro Woche. In die Berufsintegrationsklasse Deutsch als Zweitsprache wird aufgenommen, wer zum Zeitpunkt des Schuljahresbeginns berufsschulpflichtig ist. Nicht mehr berufsschulpflichtige Jugendliche können im Rahmen verfügbarer Plätze aufgenommen werden. Der Erwerb des Sprachdiploms berechtigt die Absolventen darüber hinaus zur Teilnahme an weiteren schulischen Bildungsgängen. Es ist eine sinnvolle Abfolge. „Deutsch lernen ist das A und O“, sind die sich die Pädagogen einig. „Dazu kommt dann noch die Fachsprache“, sagt Finn Brandt. „Wer weiß denn schon, was in der Elektronik Blindleistungskompensation oder meinetwegen auch Raufasertapete ist?“ Die heutige Generation der Zugewanderten ist ausgesprochen lernwillig. Zwölf von 15 Schülern der BIK-DaZ-Klasse machen freiwillig mit. „Die wollen alle“, sagt Thomas Friedenburg.

„Altersmäßig zwischen 16 und 22 Jahren haben wir vom Analphabeten bis zum angehenden Magister alles dabei.“ Dozentin Gunda Nielsen weiß mit den engagierten Schülern umzugehen. „Das klappt gut!“ Für manche ist der Schulbesuch und der Schnack mit den Kollegen auch ein schöner sozialer Kontakt in der Corona-Zeit. Am Ende der Ferien haben sie 50 Stunden Deutschunterricht „intus“ und können gut weiterlernen. Für die Schüler geht es nach einem Jahr weiter. Dann folgt in einem zweiten Schritt die Ausbildungsvorbereitung mit weiterer Fachkunde und Praktika.

vom 11.08.2020 aus Nordfriesland Tageblatt