Pressespiegel

Abi im Ausnahme-Modus, Nordfriesland Tageblatt, 20.04.2020

Für 187 Gymnasiasten beginnt am Dienstag in Niebüll die schriftliche Reifeprüfung mitten in der Corona-Krise

Hagen Wohlfahrt – Niebüll - In der Hoffnung, dass Pandemien in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht derart zunehmen, wie das etwa für Extremwetter-Ereignisse prognostiziert wird, kann man schon jetzt festhalten: Dies wird ein Abiturjahrgang mit Alleinstellungsmerkmal werden.

Für 187 Schüler beginnt am Dienstag in Niebüll die schriftliche Reifeprüfung unter besonderen Bedingungen. 103 Abiturienten sind es an der Friedrich-Paulsen-Schule (FPS), 84 am Beruflichen Gymnasium.

Dienten Mindestabstände in den Prüfungsräumen bislang dazu, das Spicken zu verhindern, mussten die Tische jetzt noch weiter auseinandergestellt werden, um die Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus möglichst gering zu halten. „Das ist schon ein organisatorischer Mehraufwand“, sagt Finn Brandt, Leiter der Beruflichen Schule. Denn es mussten viel mehr Räume als sonst für die Prüfung präpariert werden.

Mehr Aufsichten erforderlich

Das wiederum hat Auswirkungen auf den personellen Bereich; es werden nämlich auch viel mehr Aufsichten benötigt. „Deswegen sind wir auch froh, dass kein Unterricht ist“, so Brandt. Dazu kommt, dass etwa der Zugang zu den verschiedenen Sanitärbereichen anders geregelt werden muss. Grundsätzliche Dinge wie das Aufstellen von Desinfektionsmittel-Spendern verstehen sich von selbst. „Wir werden auch alle Schüler noch einmal auf die Abstandsregeln hinweisen“, so der Schulleiter, „aber eigentlich sollte das klar sein“, findet er. „Wir kriegen das hin“, ist sich Finn Brandt sicher. „Was wir noch brauchen, sind gut vorbereitete Schülerinnen und Schüler.“

„Es wird darauf geachtet, dass die Schüler beste Prüfungsbedingungen haben“, sagt Brandts Kollegin Ingeborg Kopper. Die erste Stellvertreterin des Schulleiters hat wochenlang an den Prüfungsplänen getüftelt.

Weitere Prüfungen bis Mitte Mai

Die 84 Gymnasiasten machen nämlich nur den Anfang bei den Vollzeit-Schülern; bis 14. Mai stehen noch weitere Prüfungen an. In der nächsten Woche sind 26 Schüler der Berufsfachschule (BFS) III an der Reihe, die die Fachhochschulreife machen, dann folgen 54 Prüflinge der BFS I mit dem mittleren Bildungsabschluss. Eine weitere Woche danach wollen 21 Schüler der Berufsoberschule (BOS) die Allgemeine Hochschulreife erwerben, ehe schließlich die Sozialpädagogischen Assistenten (29) und die Erzieher (52) ihre Prüfungen schreiben.

Auch an der FPS sieht man sich gut gerüstet für das Abitur unter besonderen Umständen, das am Dienstag um 7.55 Uhr mit der Prüfung in den Profilfächern beginnt. „Es kann nichts passieren“, ist sich der stellvertretende Schulleiter Karsten Giltzau sicher. „Alle Pläne sind fertig“, berichtete der Pädagoge am Freitag.

Premiere in Mensa und Turnhalle

Gleichwohl sei die Vorbereitung in diesem Jahr „eine arge Herausforderung“ gewesen. Normalerweise würden die Schüler in sieben Gruppen eingeteilt, diesmal sind es 19 – in entsprechend vielen Räumen. „50 Schüler in der Aula – das geht jetzt natürlich nicht“, erklärt der Interims-Schulleiter. Dazu komme, dass etwa Abiturienten, die einer Risikogruppe angehören, in einem eigenen Raum sitzen.

Um ausreichend Kapazitäten zu schaffen, mussten die Hausmeister Andreas Grötchen und Jörn Steensen in diesem Jahr erstmals auch Turnhalle und Mensa zu Prüfungsräumen herrichten. 32 Abiturienten sitzen beispielsweise am Dienstag in der Mensa.

aus Nordfriesland Tageblatt vom 20.04.2020