Austausch Berlin 2016

Ku'Damm bei NachtRahmenbedingungen


Das Projekt fand vom 29. Februar bis zum 04. März 2016 in Berlin unter dem Titel „Vom geteilten Deutschland bis zur Wiedervereinigung (1945 - 1990)“ statt. Beteiligt waren 11 Schüler der Klasse BTS aus Laval und 21 Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule III aus Niebüll. Betreut wurde die Begegnung von zwei Lehrkräften aus Laval (Frankreich) und zwei Lehrkräften aus Niebüll. Alle Projektteilnehmer waren in einem Hotel/Hostel in Berlin Mitte untergebracht.

 

Begründung des Themas

Wachturm der GrenzsoldatenBetrachtet man die Geschichte Europas der letzten 250 Jahre, so kann man die Beziehung zwischen Frankreich und dem deutschen Staat bzw. Staatenbund als durchaus schwierig charakterisieren. Insbesondere in der Zeit von 1789 bis 1945 kam es zwischen beiden Staaten immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen (u.a. 1805, 1813, 1870/71, 1914-18 und 1939-45). Der Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen war der 2. Weltkrieg, der mit einem Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland am 8. Mai 1945 zu Ende ging. Gleichzeitig war dieses Datum auch der Startpunkt für einen Wandel in den französisch-deutschen-Beziehungen und der Westintegration der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland. Meilensteine waren hier u.a. in der Gründung der EGKS und der EWG und manifestierte sich weiter im Élysée-Vertrag, in dem die freundschaftlichen Beziehungen von Frankreich und Deutschland festgeschrieben worden sind.
Vor diesem Hintergrund war es das Ziel der Begegnung, den Teilnehmern die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1945 bis 1990 und, damit verbunden, die Bedeutung und die Wichtigkeit der guten Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland zu verdeutlichen. Um die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland zu verfolgen, ist Berlin besonders geeignet. Nirgendwo sonst lassen sich diese 45 Jahre so komprimiert und hautnah nachempfinden wie im früher geteilten Berlin. Auch die Franzosen spielten in diesem Zusammenhang gerade im Nordwesten der geteilten Stadt als Besatzungs- bzw. Schutzmacht eine wichtige Rolle. Der aus deutscher Sicht positive Abschluss des Zwei-plus-Vier-Vertrages und die damit verbundene Wiedervereinigung im Jahr 1990 wäre wohl ohne die freundschaftliche Entwicklung der französisch-deutschen-Beziehungen nicht möglich gewesen.Currywurst
Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass die Zeit von 1945 bis 1990 nicht nur für die deutsche Wiedervereinigung, sondern auch für die französisch-deutsche Freundschaft eine sehr wichtige war. Ziel des Projektes war es, diese beiden Aspekte zu verbinden und den Teilnehmern des Projektes zu verdeutlichen, dass 70 Jahre Frieden zwischen beiden Staaten zumindest aus historischer Sicht etwas ganz Besonderes ist, dass es zu bewahren gilt.

 

Durchgeführtes Programm

Montag, der 29. Februar:
• Eintreffen der Teilnehmer in Berlin. Erstes gemeinsames Treffen in der Hotellobby, Vorstellung der Teilnehmer

Dienstag, der 01. März:
• 09.00 Uhr: Besuch der Eastside-Gallery
• 10.00 – 12.30 Uhr: Stadtrundführung
• 14.00 – 16.00 Uhr: Besuch des BMW-Werks Berlin
• ab 16.00 Uhr: Freizeit

Mittwoch, der 02. März:
• 10.00 – 12.00 Uhr: Besuch des Deutschen Technikmuseums
• 14.00 – 16.00 Uhr: Besuch des Deutschen Historischen Museums
• 17.30 – 18.30 Uhr: Besuch der Berliner Unterwelten (Atomschutzbunker aus der Zeit des kalten Kriegs)
• 20.00 – 21.00 Uhr: Mini-Projekt – Vergleich des Freizeitverhaltens in Frankreich und Deutschland

Donnerstag, der 03. März:
• 10.00 – 12.00 Uhr: Besuch des Checkpoint-Charly und des Mauermuseums
• 14.00 – 16.00 Uhr: Besuch der Ausstellung „The Story of Berlin“
• 18.00 – 19.30 Uhr: Besuch und Besichtigung des Reichstagsgebäudes
• ab 21.00 Uhr: Abschlussabend in der Hotellobby

Freitag, der 04. März
• Abreise nach Laval/Niebüll

 

Anmerkung zum Programm:

Alle Aktivitäten wurden gemeinsam durchgeführt. Allerdings musste beim Besuch der Berliner Unterwelten, des Reichstags und des BMW-Werks aus sicherheitstechnischen Gründen die Gruppe geteilt werden. Der Besuch des Deutschen Technischen Museums und des Deutschen Historischen Museums war freiwillig.
Die gemeinsamen Abende wurden in der Hotellobby durchgeführt, die aufgrund ihrer Größe und ihrer Einrichtung (Polstergruppen, normale Tische mit Stühlen, verschiedene Freizeitangebote wie z.B. Billard) dafür sehr gut geeignet war. Auch außerhalb der „offiziellen Treffen“ kamen die Schüler beider Gruppen hier zusammen, um gemeinsam den späteren Abend hier zu verbringen.
Frühstück gab es im Hotel/ Hostel. Das Mittagessen wurde grundsätzlich unterwegs eingenommen. Die Schüler hatten hierzu Freizeit. Die deutschen Schüler nutzten diese Gelegenheit, um den französischen Gästen deutsche „Spezialitäten“ wie z.B. Currywurst, etc. zu zeigen. Auch das Abendessen wurde wegen des dicht gedrängten Programms unterwegs besorgt.
Reichstagskuppel

Sprachliche Verständigung/ Sicherung der pädagogischen Qualität

Neben den inhaltlichen Zielen (s.o.) stand auch das Ziel der Sprachvermittlung im Vordergrund. Die deutschen Schüler absolvieren eine staatliche kfm. Ausbildung mit dem Schwerpunkt Fremdsprachen. Hier bildet neben Englisch Französisch das zweite Schwerpunktfach. Da die Schüler erst seit einem halben Jahr im Fach Französisch unterrichtet werden, sind die sprachlichen Fähigkeiten der deutschen Schüler auf dem Einstiegsniveau einzuordnen. Wichtig war es jedoch, dass die Schüler durch den Austausch einen tieferen Bezug zur französischen Sprache bekommen, indem sie sich mit Muttersprachlern austauschen. Die französischen BTS Schüler werden im Fach Deutsch aktuell nicht unterrichtet, sollten aber trotzdem kleinere Sprachübungen absolvieren.
Vor dem Hintergrund dieser Voraussetzungen musste der sprachliche Austausch geplant werden. Dies wurde vor allem durch Frau Vacher und Frau Wölk-Koopmann organisiert, da beide Lehrerinnen sowohl Französisch und Deutsch sehr gut beherrschen. Herr Renaudin und Herr Demmert standen vor allem in Fragen der beruflichen Fachrichtungen unterstützend zur Seite.
Um die Schüler am ersten Abend zum Austausch zu animieren, sollte ein kleines Projekt zum Thema „Freizeitverhalten in Frankreich und Deutschland“ durchgeführt werden. Ziel war es hierbei, ein beiden Gruppen vertrautes, leichtes Thema zu behandeln, über das die Teilnehmer miteinander in Gespräche kommen sollten. Leider - oder vielmehr glücklicher Weise - haben wir das Projekt am ersten Abend dann doch nicht durchgeführt, da beide Gruppen (nach anfänglicher Animation durch Frau Vacher und Frau Wölk-Koopmann) von sich aus in den Austausch kamen, indem sie gemeinsam die in der Hotellobby zur Verfügung stehenden Freizeitangebote (Billard, etc.) nutzen. Es war schön zu sehen, dass sich beide Gruppen sichtlich bemühten, miteinander in Kontakt zu kommen. Folglich haben wir das geplante Projekt auf den Mittwoch verschoben. Durch diesen gelungenen Start kam es dazu, dass sich die Teilnehmer jeden Abend in Lobby zusammenfanden.
Am Mittwoch dann wurde das oben bereits erwähnte Projekt durchgeführt. Die Schüler haben hierzu in gemischten Gruppen Fragebögen zu ihrem Freizeitverhalten besprochen und ausgefüllt. Die Auswertung erfolgte im Unterricht in der Woche nach dem Austausch. Es fiel auf, dass das Freizeitverhalten in Frankreich und Deutschland sehr ähnlich ist. Am Donnerstag trafen sich beide Gruppen zum Abschied in der Hotellobby. Einige Teilnehmer unterhielten sich, andere spielten zusammen. Es war ein schöner Abend der erst spät (weit nach Mitternacht) endete.

 

Pädagogische Auswertung

In den vier Tagen haben wir versucht einen Überblick über die deutsche Geschichte, aber auch die Geschichte Berlins zu geben. Natürlich war den Schülern bekannt, dass Deutschland über 45 Jahre geteilt war, was dies jedoch insbesondere für den Alltag in Deutschland und Berlin bedeutete, wird erst bewusst, wenn man die Zeugnisse der Zeit vor Ort sieht. Doch nicht nur die Teilung Deutschlands, sondern auch die Teilung Europas und der Kalte Krieg wurde den Teilnehmern z.B. durch den Besuch eines Atomschutzbunkers bewusst. Dies hat den Auszubildenden vor Augen geführt, wie bedeutsam Frieden und internationale Verständigung sind.
Brandenburger Tor
Neben diesen geschichtlichen Aspekten standen aber auch berufliche Aspekte im Vordergrund. So wurde die Fertigung im BMW-Motorradwerk Berlin besichtigt. Das war für die Teilnehmer ein beeindruckendes Erlebnis.
Auch die sprachliche Verständigung zwischen den Gruppen funktionierte gut. Die französischen Schüler haben sich bemüht, ein bisschen Deutsch zu lernen. Von Seiten der deutschen Teilnehmer kam, die Rückmeldung, dass man zwar auch nur ein bisschen Französisch gelernt habe, aber dass sich vor allem das Verhältnis zu Frankreich und der französischen Sprache geändert hat. War es vorher eher etwas Unbekanntes, dass man nur theoretisch im Unterricht behandelt hat, so wurde das Ganze nun mit Leben gefüllt: Es lohnt sich, diese Sprache zu lernen. Die deutschen Schüler hoffen sehr, im nächsten Jahr einen Gegenbesuch in Frankreich zu starten. Wir vom Organisationsteam werden sie dabei unterstützen.

 

Schlussbemerkung

Zum Schluss möchte ich mich noch beim Deutsch-Französischen Jugendwerk und hier insbesondere bei Frau Thies für die gute Zusammenarbeit bedanken und dafür, dass die Beantragung der Fahrt aufgrund der besonderen Umstände so kurzfristig möglich war. Bedanken möchte ich mich auch bei Frau Vacher, Frau Wölk-Koopmann und Herrn Renaudin für die sehr gute Zusammenarbeit. Ich hoffe, dass wir diese Zusammenarbeit im nächsten Jahr fortsetzen können.

Niebüll, 02.04.2016
Delf M. Demmert

Gruppe vor dem BMW Werk